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Elisabeth Leonskaja mit den drei letzten Klaviersonaten Beethovens im Bahnhof Rolandseck

Elisabeth Leonskaja

Elisabeth Leonskaja

AUSTRIA /Elisabeth Leonskaja - Konzerthaus © Julia Wesely
Seinen 80. Geburtstag hätte Johannes Wasmuth im letzten Jahr gefeiert. Zum 20. Mal jährt sich sein Todesjahr in diesem Jahr. Und auch Elisabeth Leonskaja gehörte zu den jungen Künstlern, denen Wasmuth im Künstlerbahnhof Freiraum gegeben hat, unbeschwert zu leben und zu arbeiten. Nach Radu Lupu erweist sie Johannes Wasmuth im zweiten Sonderkonzert eine atemberaubende Reverenz. Mit Beethovens Opus 109 – 111.
(Sabine Weber)

(14. März, Arp Museum Bahnhof Rolandseck) Dass der Verleger Schlesinger die letzen drei Sonaten Ludwig van Beethoven als „schöne Werke“ bezeichnet hat, ist ein befremdlicher Euphemismus. Schroffe Akzente im fff, aber auch im piano: sfp, sf, poco ritenete espressivo, also ein leichtes Rubato, aber mit Ausdruck!, dann wieder a tempo … Tempowechsel von Takt zu Takt. Abrisse, Schreie, Verzweiflung. So viele Vortragsanweisungen hat Beethoven übrigens noch nie über und unter den Notentext gesetzt. Und die lärmenden Akkorde in den tiefsten Bass-Lagen der linken Hand sind ein unüberbrückbarer Gegensatz zu den klagenden Gesängen in den höchsten Lagen, alles in abrupt verstörendem Wechselspiel. Leonskaja schöpft die ganze Bandbreite der Dynamik in diesem Sonaten aus. Und wenn Akkorde in der Tiefe hämmern, scheint sie der Verzweiflung eines bereits ertaubten Beethoven alle Gewalt geben zu wollen, der des Ohrs beraubt Erschütterungen körperlich zu spüren versucht. So ist das Auseinanderdriften von linker und rechter Hand in die Extreme der Klaviatur deutbar, die den gängigen Klaviersatz sprengen. Und bei aller gewaltigen Gewaltsamkeit bewahrt sie die Ruhe einer großen Meisterin. Wie eine Hohepriesterin arbeitet sie diese Extremwelt aus dem schwarzen Klavierkörper heraus. Und selbst wenn sie die Dämpfer des Haltepedals mit dem sich langsam hebenden Fuss von den Saiten nimmt, gestaltet sie noch den Klang in den Obertönen. Ihr Spiel geht volles Risiko ein. Ohne doppelten Boden dient sie einem Extremausdruck mit der Souveränität einer Meisterin, der alle Mittel zu Gebote stehen. In der Opus 110 wagt sie halsbrecherisches Leggiorspiel, und die Fuge gerät unerbittlich mit Besessenheit, das Ende überraschend zart und kurz! Der Abschiedsgesang, die Arietta aus Opus 111, ist ein herzzerreißendes Bekenntnis – semplice – einfach und doch die Grenzen sprengend. Der Bass begleitet die kleine Melodie so tief, als wollte er lieber in den Abgrund stürzen. Dieser Abend hat verstört und dennoch Musik von ungewohnter Intensität beschert. Dank einer großartigen Künstlerin, die bescheiden den Saal betritt und wieder verlässt. Alles im Dienste der Musik!

s.a. ausführliches Interview mit Elisabeth Leonskaja anlässlich der Verleihung des International Classical Music Award für ihre CD „Paris“ vom Februar 2014

Radu Lupu gibt einen Klavierabend im Festsaal Bahnhof Rolandseck

Radu Lupu am Flügel im Festsaal Bahnhof Rolandseck

Radu Lupu am Flügel im Festsaal Bahnhof Rolandseck

Seit Jahrzehnten hält der rumänische Weltstar Radu Lupu diesem einmaligen Konzertort zwischen Bonn und Remagen die Treue. Und ist kurz vor seinem Klavierabend zum Ehrenmitglied der Johannes-Wasmuth-Gesellschaft ernannt worden, die ihrem Namensgeber zu Ehren auch dieses Konzert veranstaltet hat. (Von Sabine Weber) Radu Lupu gibt einen Klavierabend im Festsaal Bahnhof Rolandseck weiterlesen

Schicksal trifft auf Staatsmacht. Gian Carlo Menottis Der Konsul bringt am Großen Haus in Mönchengladbach das menschliche Leid von Asylbewerbern nahe

Die Macht der Staatlichen Bürokratie. Jana Bartolova und Izabela Matula als Sekretärin und Magda Sorel in Gian Carlo Menottis Der Konsul. Foto: Stutte, Krefeld

Die Macht der Staatlichen Bürokratie. Jana Bartolova und Izabela Matula als Sekretärin und Magda Sorel in Gian Carlo Menottis Der Konsul. Foto: Stutte, Krefeld

Die Realität hat die Neuproduktion in Mönchengladbach unverhofft eingeholt. Das Dekret der US-Regierung, muslimischen Staatsbürgern vorläufig die Einreise zu verweigern, bezieht sich auf ein restriktives Einwanderungsgesetz der McCarthy-Ära. Genau in diesem zeitlichen Umfeld entsteht Gian Carlo Menottis Der Konsul. Staatsbürger aus sieben Ländern könnte in den US amerikanischen Konsulaten also blühen, was Magda Sorel derzeit auf der Bühne in Mönchengladbach erlebt. Das sollten wir alle miterleben, um zu verstehen, um was es geht!
(Von Sabine Weber) Schicksal trifft auf Staatsmacht. Gian Carlo Menottis Der Konsul bringt am Großen Haus in Mönchengladbach das menschliche Leid von Asylbewerbern nahe weiterlesen

Mieczysław Weinbergs „Die Passagierin“ am Musiktheater im Revier! Eine eindrückliche Konfrontation mit dem Auschwitz-Horror – ohne Baracken!

Lisa und Marta, Hanna Sturlodottir und Ilia Papandreou. Bild: Forster

Lisa und Marta, Hannah Sturlodottir und Ilia Papandreou. Bild: Forster

Der wahre Horror steckt nämlich in den Köpfen! Und kann die Normalität überlagern, sie zersetzen, dann, wenn Erinnerungen wach werden. Darauf setzen Regisseurin Gabriele Rech und ihr Bühnenbildner Dirk Becker in ihrer Neu-Produktion in Gelsenkirchen. (Von Sabine Weber)
Weitere Termine: 5. Februar 18 Uhr, 18. Februar, 2. März, 17. März 19.30 Uhr; 2. April, 23. April, 18 Uhr Mieczysław Weinbergs „Die Passagierin“ am Musiktheater im Revier! Eine eindrückliche Konfrontation mit dem Auschwitz-Horror – ohne Baracken! weiterlesen

Clash der Geschlechter und das Rad hämmert immer schneller!

Der Kapitalismus lässt die Hämmer rotieren Foto: Tommy Hetzel

Der Kapitalismus lässt die Hämmer rotieren
Foto: Tommy Hetzel

Im Staatenhaus bricht Peter Konwitschny Wolfgang Rihms „Die Eroberung von Mexicos“ zum letzten Mal auf Sex-Klischees herunter. Intendant-Regisseur Stefan Bachmann hat für den weiblichen Anteil der Lehman Brothers im Schauspiel-Depot nur Männer übrig. Am Wochenende hat es heftig gewittert!
(Von Sabine Weber)

Das Weibliche trinkt sich Mut an. In der Mitte Ausrine Stundyte als Montezuma Foto: Paul Leclaire

Das Weibliche trinkt sich Mut an. In der Mitte Ausrine Stundyte als Montezuma
Foto: Paul Leclaire

Männer rotten sich und halten zusammen! Ganz vorne Miljenko Turk als Cortez. Foto: Paul Leclaire

Männer rotten sich und halten zusammen! Ganz vorne Miljenko Turk als Cortez.
Foto: Paul Leclaire

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Nie mehr Kundry! Auf den Berliner Festtagen verabschiedet sich Waltraud Meier von ihrer Lebensrolle

Die Gralsritter am Boden und ein fassungsloser Parsifal im Kapuzenpulli

Die Gralsritter am Boden und ein fassungsloser Parsifal im Kapuzenpulli. Foto: Ruth Walz

Mit Weihe und Karfreitagsallüre empfiehlt sich Richard Wagners Parsifal ja als die Karfreitags-Oper. Entschuldigung: Bühnenweihfestspiel! Seit dem Fall des Bayreuther Verbots, den Parsifal nicht anderweitig aufführen zu dürfen – das war 1914 – folgen auf Wagner setzende Opernhäuser dieser Empfehlung weidlich. Auf den diesjährigen Berliner Festtagen läuten die Karfreitagsglocken wieder heftig. Es tönt unter Maestro Barenboim auch äußerst weihevoll aus Graben. (Von Sabine Weber)  Nie mehr Kundry! Auf den Berliner Festtagen verabschiedet sich Waltraud Meier von ihrer Lebensrolle weiterlesen

Richard Strauss-Segen in Dortmund und in Viersen!

Die Dortmunder Oper feiert den 50. Geburtstag ihres Opernhauses mit dem Rosenkavalier. In der Festhalle in Viersen glänzt das WDR Sinfonieorchester Köln mit der Rosenkavaliersuite und Hanna-Elisabeth Müller mit den Vier letzten Liedern. (Von Sabine Weber)

Marschallin denkt nach, Octavian fühlt nach!

Marschallin denkt nach, Octavian fühlt nach!

(11./12. März 2016, Festhall Viersen, Oper Dortmund) Mit 10 Cent gehört er Ihnen! Der grell orangefarbenen Spintschrank. Einmalig in einem Opernhaus… Richard Strauss-Segen in Dortmund und in Viersen! weiterlesen

CD Favoriten!

Dass sich wunder alle Welt. Lieder zum Advent mit Les Escapades. Christophorus CHR77287.
Himmlische Weyhnacht. Festliche Gesänge von Luther bis Bach mit Bell’Arte Salzburg. Berlin Classics 0300687BC
(von Sabine Weber)

Am Wochende ist erster Advent! Und die Weihnachtsmärkte puffen diese Botschaft schon mächtig durch die Luft. Tee-, Glühwein-, Wurst- und so allerlei Fressständen durchziehen bereits die Plätze. Zu überhören ist es auch nicht. In Popversion dudeln die klassischen Weihnachtslieder im schlimmsten und häufigsten Fall verkitscht vorgetragen von Rudi Carell- oder Nico Haak – Klonen. Jedenfalls ist das so in der Kölner Innenstadt. Da scheint es geboten daran zu erinnern, was es mit den klassischen Advents- und Weihnachtsliedern eigentlich auf sich hat. Wann und vor allem wie sie auch klingen können. Diese Zeit hat einen musikalisch reichhaltigen Klangschatz über Jahrhunderte geprägt.
Dass sich wunder alle Welt
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Schön gestorben ist die halbe Oper! Puccinis La Bohème im Kölner Staaten(Opern-)haus

Mimi, Jacquelyn Wagner, und Rudolfo, Jeongki Cho als schüchternes Liebespaar. Foto: Paul Leclaire

Mimi, Jacquelyn Wagner, und Rudolfo, Jeonki Cho als schüchternes Liebespaar. Foto: Paul Leclaire

Großartige Stimmung im Saal 2 des Staatenhauses! Die Kölner sind glücklich, dass es mit ihrer Spielzeit doch noch etwas wird. Das Gürzenich-Orchester durfte diesmal auch vor der Puppenkleinen Bühne sichtbar spielen. Die wird in jedem Akt zweimal umgebaut. Das geschieht aber mit Überraschungseffekt, sodass das Publikum entzückt wie nach einem Zauberakt „Ah, Oh!“ ausruft. Die Sänger sind allesamt überzeugend. Mimi und Rudolfo als frisch Verliebte überzeugen weniger, dafür um so mehr im Liebeskummer und Liebestod. (Von Sabine Weber) Schön gestorben ist die halbe Oper! Puccinis La Bohème im Kölner Staaten(Opern-)haus weiterlesen

Musik und Astronomie – Die SWR2 Musikstunde ab dem 9. bis zum 13. November mit Sabine Weber

Die Erde aus Satellitenperspektive. Foto: ESA

Die Erde aus Satellitenperspektive. Foto: ESA

Jetzt sind im klaren Nachthimmel die Sternbilder des Orion,der Sternhaufen der Plejaden oder die W-förmige Cassiopeia wieder deutlich zu erkennen. Und geben wir es ruhig zu, wenn wir die Chance haben, der überleuchteten Großstadtnacht zu entkommen und ins Sternenmeer einzutauchen, dann vermittelt uns das auch heute noch Erhabenheit. Göttliche Ordnungskraft steht in den Himmel geschrieben! Und auch die Musik ‘blickt’ seit Jahrhunderten ehrfürchtig horchend himmelwärts. Die Sphärenharmonie als harmonisch klingender Himmel ist ein viel beschworenes musikalisches Bild. Musikalische Zahlenverhältnisse bekommen kosmologische Dimensionen. Musik und Astronomie – Die SWR2 Musikstunde ab dem 9. bis zum 13. November mit Sabine Weber weiterlesen