Das Ende ist der Anfang! Accatone von Pier Paolo Pasolini als Musiktheater in der spektakulären Kohlenmischhalle Zeche Lohberg zum Auftakt der Ruhrtriennale 2015

Das Leben ist die Hölle für Accatone. Auf der Ruhrtriennale ist das die Kohlenmischhalle der Zeche Lohberg. Foto: Julian Röder

Das Leben ist die Hölle für Accatone. Auf der Ruhrtriennale ist das die Kohlenmischhalle der Zeche Lohberg. Foto: Julian Röder


Wie ein riesiges umgedrehtes Boot mit Kiel zu oberst sieht die Halle aus. Geschätzte 300 Meter lang und 30 Meter hoch! Die Besucher ziehen wie Pilger zu ihr. Erst durch die backsteinerne Zentralwerkstatt. Dann über Schotterwege entlang von Bauzäunen, die Schutthaufen absperren. In denen steht ein 70 Meter hohes Fördergerüst wie ein einsamer Gigant. Bis 2005 transportierte der grün schimmernde Eisenturm mit seinen Radwinden die Kumpels in einen 1.200 Meter tiefen Schacht. Im Regen geht es weiter zur schwarzen Halle. Vorne ist sie sie offen. Vor der Öffnung liegt ein umgestürztes Motorrad. Das fällt kaum auf, denn sofort entdeckt man die riesige Tribüne im dunklen Hintergrund. Sitzt man in den ansteigenden Reihen, wird der Blick über die Steinwüste sofort wieder zurück zur Öffnung – in eben 500 Meter Tiefe – wie magisch gezogen. Ins Licht, ins Grün. Das ist Sehnsucht pur in einem spektakulären Blick. Und sie wird übermächtig in dem folgenden zweieinhalb Stunden Musiktheater. Das Licht am Ende des Hallentunnels! (Von Sabine Weber) Das Ende ist der Anfang! Accatone von Pier Paolo Pasolini als Musiktheater in der spektakulären Kohlenmischhalle Zeche Lohberg zum Auftakt der Ruhrtriennale 2015 weiterlesen

Auf dem Davos Festival „Young artists in concert“ geht’s rund!

Bei der Festivaleröffnung umkreist Ensemble Federspiel das Cuartedo Gerhard. Foto. Yannick Andrea

Bei der Festivaleröffnung in Davos umkreist Ensemble Federspiel das Cuartedo Gerhard. Foto: Yannick Andrea

Davos ist ein Wintersportort. In der Wintersaison lädt auch das World Economic Forum immer zum Wirtschaftsgipfel ein. Der legendäre Davoser Kur-Sommer ist längst keine Hochsaison mehr. Auch wenn ihn Thomas Mann in seinem Zauberberg literarisch verewigt hat. Vielleicht ist deshalb das Davos Festival „Young artists in concert“ über Musikerkreise hinaus kaum bekannt. Auf dem Davos Festival „Young artists in concert“ geht’s rund! weiterlesen

Künstlerfreundschaften – Völkerverständigung. 10 Jahre Rolandseck-Festival

Das neugegründete Arp-Quartett! Foto: Sabine Weber

Das neugegründete Arp-Quartett! Foto: Sabine Weber

Bei dem einwöchiges Kammermusik-Festival im Arp Museum Bahnhof Rolandseck bei Remagen ist seit 10 Jahren etwas zu erleben, das über das Phänomen Klaviertrio, Streichquartett und Orchesterwerke in Kammermusikbearbeitung hinaus weist. 1982 wurde die erste Festivalsauflage gestartet, die hauptsächlich ein Ziel verfolgt hat: Junge Israeli nach Deutschland zu bringen, hier zu unterrichten und mit Deutschland vertraut zu machen. Der Bonner Johannes Wasmuth und der Konzertmeister vom Israel Philharmonic Orchestra, Chaim Taub aus Tel Aviv, entwickelten sich zu kongenialen Kulturpartnern am Mittelrhein. Der Geiger Guy Braunstein war einer der ersten Jugendlichen, der damals kam. Heute lebt er in Deutschland. Vor 10 Jahren hat er das Festival neugegründe. Am 2. Juli hat es begonnen. (Von Sabine Weber)

(03. Juli 2015, Arp Museum, Rolandseck,) Brahms schmerzt! Künstlerfreundschaften – Völkerverständigung. 10 Jahre Rolandseck-Festival weiterlesen

Liebe finden in Ruinen – Leben schenken im Kunstobjekt! Die Kölner Oper gibt Janačeks Tagebuch eines Verschollenen und Holsts Sãvitri im Kölner Kolumba Museum

John Heuzenroeder als der Verschollene aus Janaceks Tagebuch... Foto: Klaus Levebvre

John Heuzenroeder als der Verschollene aus Janaceks Tagebuch… Foto: Klaus Levebvre

Vis-à-vis der Kölner Oper befindet sich das Kolumba-Museum. Vom Schweizer Stararchitekten Peter Zumthor errichtet liegt es hinter der ersten Häuserzeile auf der anderen Seite der Nord-Süd-Fahrt. Dort zu inszenieren ist eine ungemein mutige Idee. Aber eine schlüssige, wenn es die Sänger schaffen, sich so behutsam und schwindelfrei durch die Kunst zu bewegen. Und wenn eine Regisseurin wie Béatrice Lachaussée so bezugsreich mit den Räumen und dem, was darin gezeigt und ausgestellt wird, inszeniert! (Von Sabine Weber)
(30. Mai 2015, Kolumba-Museum, Köln) Für Leoš Janačeks Klavier-Oper Tagebuch eines Verschollenen klettert John Heuzenroeder Liebe finden in Ruinen – Leben schenken im Kunstobjekt! Die Kölner Oper gibt Janačeks Tagebuch eines Verschollenen und Holsts Sãvitri im Kölner Kolumba Museum weiterlesen

Eine Installation der hervorsprudelnden Klänge und Bewegungen Achim Freyer inszeniert Un esame di mezzanotte von Lucia Ronchetti für Mannheim. Im Nationaltheater ist am 29.05. Uraufführung

(Foto: Christian Kleiner) Italienisches Musiktheater sorgt derzeit für Bewegung. Ob Giorgio Battistellis CO2 Oper in Mailand – oder Lucia Ronchettis Un esame di mezzanotte – jetzt in Mannheim. Eine Installation der hervorsprudelnden Klänge und Bewegungen Achim Freyer inszeniert Un esame di mezzanotte von Lucia Ronchetti für Mannheim. Im Nationaltheater ist am 29.05. Uraufführung weiterlesen

Von Frauen, Männern und Freiheit, die keine ist! In der Premiere der Wiederaufnahme von Christoph Loys Inszenierung von Georges Bizets Carmen in Köln geht’s in den Nachtclub!

Katrin Wundsam als Carmen in kleinem Schwarzen Foto: Klaus Levebvre

Katrin Wundsam als Carmen in kleinem Schwarzen Foto: Klaus Levebvre

(23. Mai 2015, Kölner Oper am Dom, Autorin: Lina-Marie Dück)
In der Inszenierung von Christof Loy steht die Auseinandersetzung mit den Rollenbildern von Mann und Frau im Vordergrund, zugespitzt in der Konfrontation der Protagonisten: Carmen und Don José, Carmen und Micaela, Don José und Escamillo. Loy präsentiert sämtliche Klischeebilder, beginnend mit Prahlerei und Von Frauen, Männern und Freiheit, die keine ist! In der Premiere der Wiederaufnahme von Christoph Loys Inszenierung von Georges Bizets Carmen in Köln geht’s in den Nachtclub! weiterlesen

Klimawandel in der Oper! Die Mailänder Scala bereichert die Expo 2015 um einen musiktheatralischen Beitrag! Am 16. Mai wird Battistellis CO2-Oper uraufgeführt

Giorgio Battistellis jüngste Partitur: CO2 (Ricordi Verlag)

Giorgio Battistellis jüngste Partitur: CO2 (Ricordi Verlag)

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Klimagase, Klimwandel, Erderwärmung – Lässt sich darüber eine Oper schreiben? Unbedingt, findet Giorgio Battistelli. Er gehört mit Salvatore Sciarrino zu den wichtigsten italienischen Komponisten der Gegenwart. Während der in Palermo 1947 geboren Sciarrino ein Meister der leisen, feinen Klänge am Rande der Unhörbarkeit ist, türmt der fünf Jahre jüngere Battistelli aus Albano bei Rom mit einem Faible für Orchesterwucht Klangmassen zu großen Spannungsbögen auf. Und er liebt das Experiment. Battistellis „Experimentum Mundi“ von 1981 fordert ‘echte’ Handwerker auf der Bühne. Sie sollen lautstark ihrem Geschäft nachgehen, während Schlagzeuger die Hammer- Meißel -oder Stechbeitelrhythmen aufgreifen. Gut 20 Musiktheaterwerke hat er verwirklicht. Für seine Opernstoffe hat Battistelli zu berühmten literarischen Vorlagen gegriffen. Zu Sten Nadolnys „Die Entdeckung der Langsamkeit“ – 1997 in Bremen uraufgeführt. Oder Ernst Jüngers „Auf den Marmorklippen“, das die Uraufführung in Mannheim 2002 erlebt hat. Für die Modestadt Düsseldorf hat er eine fesche, „krachende“ Modeoper entworfen. Sein aktuelles Musiktheaterprojekt für die Modestadt Mailand könnte auch krachend ausfallen. Die Scala erhebt im Rahmen der Expo 2015 den Anspruch auf ein global relevantes Thema! Klimawandel! Die Oper soll zum Weltausstellungsthema passen: „Den Planeten ernähren, Energie für das Leben“. Das hätte unbequem werden können, denn für die Texte sollte sich Librettist J. D. McClatchy aus Al Gores „Eine unbequeme Wahrheit“ bedienen. Das war jedenfalls der Plan noch vor drei Jahren, als in Münster im Rahmen des Festivals KlangZeit orchestrale Ausschnitte vorab konzertant uraufgeführt wurden. Da hieß die Oper auch noch „Pacha Mama“. Doch Filmregisseur William Friedkin (Der Exorzist, Cruising…) sollte in der Scala Regie führen. Und lehnte das Libretto kategorisch ab. Vor allem die Personalie Al Gore, die in der ursprünglichen Fassung auch eine Rolle bekommen sollte. Alles kommt anders. Jetzt inszeniert Robert Carson! Mit seiner Umweltinszenierung von „Der Ring des Nibelungen“ (2000) hat er in Köln gezeigt, dass er ein Händchen hat für diese aktuelle Problematik auf der Bühne. Und ist Richard Wagners Ring nicht auch die erste Umweltoper? Da geht es um die Zerstörung der Welt aus Profitgier. Statt korrumpierte Götter und verzweifelte Heroen werden in Battistellis Oper Wissenschaftler und Ökologen auf Erzengel treffen und über CO2 Emissionen diskutieren. Orte sind ein Flughafen und der Supermarkt. Orkane und Tsunamis bringen das Orchester in Aufruhr. Für das neue Libretto hat Robert Carsen seinen langjährigen Dramaturgen Ian Burton ins Spiel gebracht. Bei diesem neu-zusammengefundenden Regie/Bühnenteam scheint die Chemie überhaupt zu stimmmen. Das haben sie bereits in Wien 2011 mit einer aufregenden Britten-Inszenierung am Theater an der Wien bewiesen. Zum Team damals gehörte auch der schottische Videokünstler Finn Ross. Für Battistellis neues Werk ist er um den Globus gereist und hat gigantische Umweltsünden ins Visier genommen. Und auch Dirigent Cornelius Meister gehört zu diesem Team, dem es zuzutrauen wäre, für einen Mentalitätswechsel bei einem so konservativen Publikum, wie dem an der Mailänder Scala zu sorgen. Der gebürtige Hannoveraner gibt im Orchestergraben der Scala am 16. Mai jedenfalls sein Debüt.
(Von Sabine Weber)

Eine Uraufführung von Olga Neuwirth auf dem Kölner Achtbrückenfestival. Masaot/ clocks without hands am 6. Mai in der Kölner Philharmonie!

Foto: Priska Ketter

Foto: Priska Ketter

Die österreichische Komponistin Olga Neuwirth ist neugierig. Sie lässt sich von Betrachtungen, Bildern oder Prozessen wie organisches Wuchern oder galaktischen Nebeln inspirieren. Sie geht unkonventionell Eine Uraufführung von Olga Neuwirth auf dem Kölner Achtbrückenfestival. Masaot/ clocks without hands am 6. Mai in der Kölner Philharmonie! weiterlesen

Das 5. Kölner Achtbrückenfestival für Neue Musik öffnet seine Tore mit einem fulminant aufspielenden New York Philharmonic!

Alan Gilbert, Chefdirigent des New York Philharmonic begeistert in der Kölner Philharmonie

Alan Gilbert, Chefdirigent des New York Philharmonics begeistert in der Kölner Philharmonie. Foto: Chris Lee

Musik. Politik? Lautet das Motto in diesem Jahr. Musik kann bewusst oder unbewusst ins Fahrwasser einer politischen Aussage rücken. Komponisten nehmen eine politische Haltung ein. So der niederländische Komponist Louis Andriessen in den 1970ern. Ihm ist eine kleine Werkschau gewidmet. Mit 23 Uraufführungen, darunter eine Serie von 11 Hymnen für ein nicht existierendes Land wird aber auch aktuell zu Stellungnahmen aufgefordert! (Von Sabine Weber) Das 5. Kölner Achtbrückenfestival für Neue Musik öffnet seine Tore mit einem fulminant aufspielenden New York Philharmonic! weiterlesen

Neu-Zeit für das Gürzenich-Orchester und die klassische Musik in Köln!

Der Chef François-Xavier Roth in seiner neuen Residenz! Foto: Martina Govert

Der Chef François-Xavier Roth in seiner neuen Residenz! Foto: Martina Govert

Der neue Kölner GMD heißt François-Xavier Roth und verrät in einer Pressekonferenz, was er in der kommenden Konzertsaison vorhat! Von (Von Sabine Weber)

(22. April 2015, Foyer Kölner Philharmonie) Die Kölner Kulturdezernentin Susanne Laugwitz-Aulbach lächelt. Und auch der geschäftsführende Direktor des Gürzenich-Orchesters Patrick Schmeing. Der Mann, der neben ihnen sitzt, ist ein Hautpgewinn! Nicht nur für das Orchester. Auch für Köln! Neu-Zeit für das Gürzenich-Orchester und die klassische Musik in Köln! weiterlesen

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