„Der Goldene Drache“ von Peter Eötvös in Mönchengladbach und der Komponist sitzt im Publikum!

Das Theater Krefeld-Mönchengladbach ist die älteste Theaterhaus-Ehe der Republik! Die verläuft erfolgreich und glücklich, hat allenfalls einen kleinen Schönheitsfehler, dass es nämlich die A-Premieren gibt, die, wenn sie ins zweite Haus wandern, nur noch B-Premiere sind. In NRW hat eine solche B-Premiere aber einen Vorteil. Wer die A-Premiere eines Stückes nicht besuchen kann, darf nicht allzu weit weg auf die B-Premiere setzen. Und die hat mit dem MusikTheater „Der Goldene Drache“ in Mönchengladbach einen zufällig glamourösen Zusatzeffekt bekommen. Komponist Peter Eötvös reist an, stellt sich im Theaterkaffee dem Publikum in einem lockeren Gespräch mit der Dramaturgin Ulrike Aistleitner auch vor und sitzt schließlich mit offenkundiger Anteilnahme in der Aufführung. Zu erkennen an der Hand, die an bestimmten Stellen als Spannungsbarometer ihre Position im Gesicht verändert. Und ziemlich häufig setzt er auch ein wohlwollendes bis amüsiertes Lächeln auf! (Von Sabine Weber) „Der Goldene Drache“ von Peter Eötvös in Mönchengladbach und der Komponist sitzt im Publikum! weiterlesen

Saisoneröffnung 19/20 in Brüssel mit der Uraufführung von Macbeth Underworld von Pascal Dusapin

Mit Spannung ist die Saisoneröffnung und Uraufführung von Pascal Dusapins „Macbeth Underworld“ erwartet worden. Dusapin zählt zu den erfolgreichsten französischen Opernkomponisten der Gegenwart und ist ein bekannter Gast am De Munt/ La Monnaie in Brüssel. Mehr noch, Komponist des Vertrauens des dortigen Intendanten Peter De Caluwe. Dusapins „Medeamaterial“ nach Heiner Müller ist hier 1992 aus der Taufe gehoben worden. Sein Opernballett „Passion“ in Koproduktion mit dem Festival in Aix-en-Provence am Munt/ Monnaie 2008 über die Bühne gegangen. Zuletzt 2015 „Penthesilea“ nach Heinrich Kleist auf ein deutsches Libretto, das just zu der aktuellen Dusapin Uraufführungspremiere beim Label Cyprès herauskommt. Eine bemerkenswerte Aufnahme übrigens! Denn Georg Nigl ist dabei. Diesem stimmlich und spielerisch ausdrucksstarken und Neue Musik affinen Bariton hat Dusapin die meisten Titelrollen seiner Werke auf den Leib komponiert. So jetzt auch wieder. Saisoneröffnung 19/20 in Brüssel mit der Uraufführung von Macbeth Underworld von Pascal Dusapin weiterlesen

Die Straßburger Opéra du Rhin eröffnet die Saison mit Philip Venables Psychosis 4.48 und feiert sich als Opernhaus des Jahres!

Was für ein „Europa-Tag“ in Straßburg! Das dort beheimatete ARTE-Studio lädt europaweit Journalisten ein, um seine TV Konzert- und Opernsaison bekannt zu geben. ARD-Journalisten sind ebenfalls vor Ort, um Tuchfühlung mit neu nominierten EU-Ministern aufzunehmen, und, nach einem kaiserlicher Spätsommerwettertag, wird auch noch bekannt gegeben, dass Strasbourg sein Opernhaus als Opernhaus des Jahres feiern darf! Die Umfrage der Zeitschrift Opernwelt hat die Opéra du Rhin mit seinen Spielstätten in Strasbourg, Colmar und Mulhouse als ein Haus gewürdigt, das sich als „Opéra d’Europe“ versteht und „durch Entdeckerfreude, originelle Programme, vorbildliche Repertoirepflege sowie kreativen Esprit Aufsehen erregt!“ (Von Sabine Weber)
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Liebestod zum Saisonauftakt! Der Bayreuthsänger Samuel Youn aus dem Kölner Ensemble über seine Rolle(n)!

In Köln steht die Saisonpremiere ins Haus! Mit Richard Wagners „Tristan und Isolde“ am 21. September in der Oper Köln im Staatenhaus. Die Proben laufen in die heiße Endphase. Ensemble-Bassbariton Samuel Youn als ausgewiesener Bayreuth-Sänger ist natürlich mit dabei. Er übernimmt die Rolle des Kurwenal. Der gebürtige Koreaner ist längst nicht mehr der einzige Koreaner im Team. Das hat mit ihm zu tun. Nach einer Probe habe ich mich mit ihm getroffen, habe einiges über die Kurwenal-Partie erfahren und über Samuel Youns Korea-Connections!

Sabine und Samuel Liebestod zum Saisonauftakt! Der Bayreuthsänger Samuel Youn aus dem Kölner Ensemble über seine Rolle(n)! weiterlesen

Die Junge Deutsche Philharmonie auf Herbsttournee gastiert in der Kölner Philharmonie und beeindruckt mit delikaten Spielfähigkeiten und Klangwucht

Endzeit! Das ist ein erstaunlich bedrückender Titel für ein Orchester, das vor Zukunftspotential nur so strotzt! Denn auf dem Podium der Kölner Philharmonie sitzen junge Musikerinnen und Musiker, die gute Chancen haben, demnächst die besten Orchester national und international zu füllen. Verstärkt durch das US amerikanische JACK Quartett und unter Jonathan Nott, seit 2014 künstlerischer Leiter und Erster Dirigent der Jungen Deutschen Philharmonie, widmen sie sich auf ihrer diesjährigen Herbsttournee Helmut Lachenmanns „Tanzsuite mit Deutschlandlied“ und der Tondichtung „Ein Heldenleben“ von Richard Strauss. (Von Sabine Weber)

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Podcast Favori: Ein Zwischenbericht zum September

Ab sofort gibt es monatliche Zwischenberichte als podcast!

Über das Musiktheater in NRW – ein Rückblick zur Ruhrtriennale, und Ausblicke auf das, was klassikfavori im September und Oktober ins Opernvisier nimmt

 

RT19: Eine beklemmende Studie über Holocausterfahrungen, die eine Mutter-Tochter Beziehung noch in der übernächsten Generation traumatisiert

Vision oder Wirklichkeit? “Evolution” nennt Kornél Mundruczó seine neueste Kreation, die als letzte Musiktheaterpremiere am 5. September ihre Uraufführung auf der Ruhrtriennale in der Jahrhunderthalle in Bochum gefeiert hat. In drei zeitlich aufeinanderfolgenden Bildern entwickelt der künstlerische Leiter, Theaterregisseur und Mitgründer des freien Budapester Proton-Theaters die Handlung. Die Vergangenheit entdeckt ein Putztrupp. Er reinigt eine Sammeldusche und wird von der Vision einer Gaskammer heimgesucht. Im zweiten Bild, der Gegenwart zugeordnet, so Mundruczó, setzen sich Tochter und Mutter über das Jüdisch-sein auseinander und offenbaren sich dabei ihre Geschichten und ihre traumatischen Verletzungen. Im letzten Bild sorgt ein gigantischer Lichtstrahl aus den Tiefen der Jahrhunderthalle für Licht in einem Tunnel, in den der Sohn, bzw. Enkel mitsamt seinen Chatfreund*innen aufbricht, die ihre zuvor an einander ausgetestete Mobbingmaschinchen dabei haben, Mobilfunkgeräte. Ist das die Zukunft? (Von Sabine Weber) RT19: Eine beklemmende Studie über Holocausterfahrungen, die eine Mutter-Tochter Beziehung noch in der übernächsten Generation traumatisiert weiterlesen

RT19: Ensemble Ascolta fegt mit schrägem Roaring-Twenty Sound durch Gordon Kampes „Gefährliche Operette. Eine Wiederbelegung“. Countertenor Daniel Gloger läuft in einer Travestie-Nummernrevue zu Hochform auf!

(Foto: Heinrich Brinkmöller-Becker) Wiederbelegung ist hier nicht wortwörtlich zu verstehen und schon gar nicht Operette zu erwarten! In 16 Nummern – dazu gehören zwei Instrumentaleinlagen – wird allenfalls Operettenhafter Attitüde genüsslich der Hahn zugedreht. Am Ende ist die Operette eher tot. Lachen und Küssen als Unterhaltungswert wird musikalisch ins melancholisch-tot-Traurige verkehrt, das kleine Vögelchen wird getötet und muss sadistisch ausbluten oder Herzschmerz und deklarierter Lebenssinn wird mit einer Kindermelodie banalisiert. Eine verschrägte Dixielandband – statt Banjo mit dezent verzerrten E-Gitarrenklängen – vor allem mit immer neuen Klangideen, die auch an die Neue-Musik-Avantgarde der Zwanziger Jahre erinnern, wartet mit flirrenden und kratzenden Cellosounds auf, aggressiven Tuschs von Posaune und Trompete und vielen Schlagzeugeffekten von singender Säge über Waldteufel, Blechdosen, bis hin zum scheppernden Pekingoper-Gong und fährt in bissige, bisweilen Lächerlichkeit ausbreitende Texte hinein. Am Ende hat Daniel Gloger sich hinter einem Paravant zig mal in immer andere Klamotten und Posen geworfen und in seiner One-man-Show nicht nur Operetten-Charaktertypen mit Detailfreude untergehen lassen. (Von Sabine Weber) RT19: Ensemble Ascolta fegt mit schrägem Roaring-Twenty Sound durch Gordon Kampes „Gefährliche Operette. Eine Wiederbelegung“. Countertenor Daniel Gloger läuft in einer Travestie-Nummernrevue zu Hochform auf! weiterlesen

RT19: Superlative der Mehrstimmigkeit! Chorwerk Ruhr mit Berios Coro und Striggios Missa sopra Ecco sì beato giorno in der Maschinenhalle Zweckel in Gladbeck

(Foto: Christian Palm) Was hat Luciano Berio Mitte der 1970er und Alessandro Striggio den Älteren 400 Jahre früher dazu getrieben, 40stimmige Werke zu entwerfen? Der Italiener Berio will seine Aktivitäten auf dem Experimentierfeld Musik und Sprache auf eine unerhörte wirkmächtige Stufe heben. Was jenseits des üblichen Gesangs, mithilfe von Gesten, Lachen, Flüstern, Schnalzen an neuen stimmlichen Ausdrucksmöglichkeiten zu gewinnen sei, testet er schon seit Jahren zusammen mit seiner Expertin für diese Stimmversuche, Cathy Berberian aus. Als Grundlage dienen volksliedhaft-ethnische Texte oder Folksongs in allen Sprachen. Für Berberian hat er auch frühbarocke oder Popsongs bearbeitet. In „Coro“ rüstet Berio die gewonnenen vokalen Expertisen durch Verse des chilenischen Poeten und Widerstandskämpfers Pablo Neruda zu einer politischen Kunst auf und experimentiert mit einer neuen Raumklanglichkeit. Alessandro Striggio ist Komponist und Diplomat der Medici in Florenz. Er komponiert 40stimmig, um einer politischen Hochzeit Glanz zu verleihen und bei seinen Missionen zu beeindrucken. Ein diplomatischer Aufenthalt in London, wo er ein 40stimmiges Werk hören lässt, möglicherweise die für die Hochzeit komponierte Motette Ecce beatam lucem, es könnte aber auch die Missa sopra Ecco sì beato giorno gewesen sein, inspiriert Thomas Tallis, sein 40stimmiges Spem in alium zu komponieren.

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