Kategorie-Archiv: Künstlerportraits

Solaris – keine Kritik, eine besondere Nachlese!

Aoife Miskelly als Hare mit Nikolay Borchev als Kris auf der Solarisstation in Köln © Bernd Uhlig

Aoife Miskelly als Harey mit Nikolay Borchev als Kris auf der Solarisstation in Köln © Bernd Uhlig

In ihrem normalen Leben trägt die Opernsängerin Aoife Miskelly schwarze Locken. Die gebürtige Irin, Anfang 30 und bis letztes Jahr im Kölner Opernstudio, ist seit dieser Saison fest im Kölner Opernensemble. Und hat in dieser Produktion gleich die weibliche Hauptrolle übernommen. Ihre Mitbewohnerin Beatrice Faust studiert in Köln Medizin. Oder hat studiert, denn sie steckt gerade in ihrer Examensphase. Das hat sie natürlich nicht davon abgehalten, ihre Freundin in die Premiere zu begleiten. Sie im Publikum, Aoife auf der Bühne! Zwei Freundinnen, zwei Perspektiven, aber ein gemeinsames Abenteuer!
Wie sind die beiden mit diesem SciFi-Stoff als Opernplot umgegangen? Wie haben sie sich vorher darüber ausgetauscht? Was nehmen sie mit, von ihrem Bühnen- und ihrem Zuschauerraumerlebnis? Und von der jüngsten Oper Detlef Glanerts ?

Gidon Kremer meldet sich zu Wort !

Gidon Kremer meldet sich zu Wort! In Riga ist der lettische Geiger geboren, in Moskau hat er bei Igor Oistrach studieren dürfen, 1980 ist er in den Westen emigriert. Ein Jahr später gründet er sein eigenes Kammermusikfestival in Lockenhaus. Als künstlerischer Leiter eines eigenen Streichorchesters bleibt er aber stets seiner künstlerischen Heimat, der Musik Russlands und natürlich des Baltikums verpflichtet. Vielleicht ist seine „offene“ persönliche Nachricht die richtige Erwiderung auf die kriegsrasselnden Schlagzeilen über Putin in den Tageszeitungen heute morgen! Und ein bisschen Werbung natürlich in eigener Sache. Heute Abend tritt die Kremerata Baltica in der Semperoper auf. Das ursprüngliches Programm “All about Gidon” hat er in “Mein Russland” umgewidmet.

Persönliche_Nachricht_von_Gidon_Kremer

“Auch die Musiker müssen auf die Berge”, hat Reinhold Messner gefordert!

 

Foto: Andreas Panzenberger

Foto: Andreas Panzenberger

Sie könnten die Höhenerfahrung in Musik umsetzen! Es müssen ja auch nicht die Achttausender sein. Die Erstbesteigung aller Achttausender hat ihn weltberühmt gemacht. Und den höchsten Gipfeln dieser Erde, der großen Vertikale, hat er auch noch die Extreme der Horizontalen hinzu gefügt, nördlichste und südlichste Polkappen. Er ist ein Meister der Schrecken aber auch der Schönheiten dieser wildesten Eisregionen, die in unserem Bewusstsein den Stachel des Bedrohlichen noch immer nicht ganz verloren haben. In Büchern hat Reinhold Messner seine Erfahrungen dokumentiert. Zur Zeit arbeitet er fieberhaft an der Eröffnung seines sechsten und letzten Bergmuseums in seiner Heimat Südtirol auf dem Kronplatz. Montain Corones soll es heißen, soll sein Bergmuseums-Projekt „krönen“, das höchste in Südtirol werden, gräbt sich aber nach den Vorgaben von Star-Architektin Zaha Hadid auch unterirdisch tief in den Felsen ein. Superlative gehören bei Reinhold Messner schon immer dazu. Auch wenn er den „Zahlenalpinismus“ längst ad acta gelegt hat. Seit Jahrzehnten interessiert den in Brixen geborene Messner, der am 17. September seinen 70. Geburtstag feiert, auch das Verhältnis Berg-Mensch, und warum der Berg schon immer Philosophen, Dichter, Künstler und auch Musiker angeregt hat.

Ein Interview mit Sabine Weber anlässlich der Expo 2000, wo Reinhold Messner im Auftrag einer Liftfirma seine erste Begegnungsstätte Berg-Mensch „Yeti – Mount and Mystery“ konzipiert hat. Zwei Jahre, bevor er sein erstes richtiges Museum auf dem Monte Rite mit Blick auf die Dolomiten eröffnet hat.

Die französische Regisseurin Béatrice Lachaussée erhält den Studio-Preis der Götz-Friedrich-Stiftung!

OLYMPUS DIGITAL CAMERADie französische Regisseurin Béatrice Lachaussée erhält den Studio-Preis der Götz-Friedrich-Stiftung für ihre Inszenierung von Wolfgang Rihms Kammeroper »Jakob Lenz«, die am 22. März 2014 in der Trinitatiskirche in Köln Premiere gefeiert hat! Und inszeniert erneut an der Oper Köln!

Es ist nur ein kleiner Preis, was die Dotierung über 2.500 Euro angeht, aber ein großer Anerkennungspreis für die junge französische Regisseurin Béatrice Lachaussée. Diese Inszenierung war nämlich ihr deutsches Regiedebüt.
In der Inszenierung (Bühne & Kostüme: Nele Ellegiers) mit Bariton Miljenko Turk in der Titelpartie des schizophrenen, hochbegabten Dichters Jakob Lenz – es musizierte das Gürzenich-Orchester Köln unter der Alejo Pérez- hob die Presse mehrheitlich hervor, wie kunstvoll die Regisseurin Akustik und Atmosphäre des Kölner Kirchenschiffs mit der sich steigernden Dramatik des von inneren Stimmen geplagten Protagonisten verdichtet hat.
Béatrice Lachaussée wird auch in der aktuellen Saison wieder für die Oper Köln inszenieren, und zwar für die szenische Umsetzung von Leoš Janáceks »Tagebuch eines Verschollenen« sorgen. Am 30. Mai 2015 findet die Premiere im Kölner Kolumba-Museum statt.

Das Kammerorchester Carl Philipp Emmanuel Bach löst sich auf und winkt unter Hartmut Haenchen zum letzten Mal mit den drei letzten Sinfonien von Wolfgang Amadeus Mozart!

Berlin Classics Best.Nr. 0300587BC

Berlin Classics Best.Nr. 0300587BC

Wer den Dirigenten Hartmut Haenchen im Juni, im Toulouser Opern-Orchestergraben zur Richard Straussens Daphne-Premiere erlebt hat, konnte sich davon überzeugen, dass der Anfang 70jährige ein unermüdlicher Kämpfer für die Partitur geblieben ist – auch gegen ein widerständiges Orchester (siehe Premierenbericht). Davon kann natürlich beim Carl Philipp Emmanuel Bach Kammerorchester keine Rede sein! Obwohl Haenchen als junger Schweriner Generalmusiker gerade seines Amtes enthoben, weil er sich den musikalisch inakzeptablen Wünschen zu einem Staatstragenden Fest nach DDR-Maßstab nicht gefügt hat – kürt ihn das Carl Philipp Emmanuel Bach Kammerorchester im Berliner Osten 1980 zu seinem Chef. Das war die Wahl für einen musikalischen Überzeugungstäter! Und der laut Stasi-Akten als „Staatsfeind“ geführte Dirigent ist hartnäckig! Er schwört sein Ensemble auf den Namensgeber ein. Und da Aufführungen schwierig sind, konzentriert man sich auf Aufnahmen. Die Gesamtaufnahme aller 18 Sinfonien von Carl Philipp Emmanuel Bach geht dann auch als eine Pionierleistung in die Geschichte ein. Vor allem im Westen sorgt sie für Furore und Preise, in der DDR für Reputation, vor allem Devisen und leitet die Rehabilitierung ein. 1986 darf Haenchen sogar mit dem Segen Honeckers seinen ersten Auslandsjob in Amsterdam antreten. All das sind sicherlich Gründe, warum Haenchen seinem Kammerorchester bis zuletzt die Treue gehalten und mitgeholfen hat, auch die Wende ohne nennenswerte staatliche Hilfe zu überleben und eine eigene Reihe im Berliner Konzerthaus zu gestalten. Aber jetzt ging es nicht mehr weiter mit dem ehrenamtlichen Engagement von Musikern, Solisten und auch des Dirigenten.

Mit den drei letzten Sinfonien von Wolfgang Amadeus Mozart ist im Mai diesen Jahres im Berliner Konzerthaus ein fulminanter Schlussstrich gezogen worden. Der Bundespräsident höchst persönlich saß im Publikum. Die jetzt erschienene Live-Aufnahme krönt und beschliesst eine Serie von ungefähr 50 Aufnahmen. Auch auf dieser letzten stellt Haenchen noch einmal alle Vorzüge des Orchesters en nuce vor: eine kammermusikalisch durchdachte Musizierweise zugunsten eines absolut transparenten Klanges. Den Mut zu gezügelten und ausmusizierten Tempi, wie beispielsweise im ersten Satz der g-moll Sinfonie Nr. 40. Details scheinen auf, die so gern mit Schwung überfahren werden. Das Vibrato bei den Streichern ist wohl dosiert. Ein Dirigent der Klangorgien ist Haenchen ja auch nie gewesen. Lieber schenkt er den kleinen und für das große Ganze bei Mozart doch auch so wesentlichen Momenten Bedeutung und arbeitet sich an ihnen hingebungsvoll ab. Das Carl Philipp Emmanuel Bach Kammerorchester setzt die Ideen hervorragend um. Man spürt die Symbiose zwischen Musiker und Dirigent. Es sind in jedem Moment hörbar beglückende drei letzte Sinfonien!
Sabine Weber

Über Streik, Politik und menschliche Krisen in der Kunst

Seine Regiearbeit in Frankreich stand unter keinen guten Vorzeichen.

Seine Regiearbeit in Frankreich stand unter keinen guten Vorzeichen.

Der Regisseur Patrick Kinmonth über seine Inszenierung von Richard Strauss‘ Oper „Daphne“

Ein Juwel nennt Regisseur Patrick Kinmonth diese Oper. Seine Augen leuchten, wenn er auf die eher selten aufgeführte vorletzte Oper von Richard Strauss zu sprechen kommt. Intensiv hat er sich in den letzten zwei Jahren mit diesem Werk auseinandergesetzt. Das Théâtre du Capitole de Toulouse wollte am 15. Juni dieses Werk in seiner Neuinszenierung herausbringen. Dass die Premiere wegen eines Streiks abgesagt wurde, hat den gebürtigen Iren künstlerisch tief getroffen – bei allem persönlichen Verständnis für die Notwendigkeit des Streiks.

Klassikfavori: Diese Premiere zum 150. Geburtstag von Richard Strauss sollte nicht nur für den Jubilar, sondern auch für Sie ein großer Moment werden. Dann hat der Streik der “Intermittents”, der befristet Beschäftigten des Théâtre du Capitole, zur Absage der Premiere geführt. Wie haben Sie sich letzten Sonntag gefühlt?

Patrick Kinmonth: Ich war absolut am Boden. Entsetzt darüber, dass ein großer Moment für mich zerstört wurde. Nicht nur, weil einige Vertreter der Musikszene zur Premiere angereist waren, die für mich und meine Karriere wichtig gewesen wären. Aber auch, weil diese Neu-Inszenierung für mich die Gelegenheit war, Frankreich, diesem wunderbaren Land, dem ich schon durch zahlreiche kleinere Projekten künstlerisch verbunden bin, und seinem wunderbaren Publikum etwas zurückzugeben. Aber ich bin ja nur eine Person, die betroffen ist. Natürlich ist es sehr wichtig, dass die Leute sich in der Öffentlichkeit in Form des Streiks ausdrücken und äußern. Das ist ein unglaublich wichtiger Dialog. Gerade weil sich Frankreich und auch Europa insgesamt in einer sehr schwierigen und auch gefährlichen Zeit befinden. Man muss ständig Politik, Kunst, Geld, Kultur und auch soziale Gerechtigkeit gegeneinander abwägen.

KF: Was passiert, wenn eine Premiere abgesagt wird?

PK: So etwas wirkt unglaublich destruktiv. Wenn du eine Produktion planst, entwirfst du auch immer eine genaue Strategie, für jeden einzelnen beteiligten Künstler. Und wir haben alle konzentriert auf den einen Moment hingearbeitet. In der ersten Aufführung sitzen zudem alle Kritiker. Für mich waren das fast zwei Jahre Vorbereitung. Ich habe ja auch die Kostüme und das Bühnenbild entworfen. Das alles konzentriert auf diese anderthalb Stunden. Wird die Premiere dann abgesagt, ist das als ob plötzlich der Teppich unter den Füßen weggezogen wird. Die gesamte angestaute Energie entlädt sich ohne den erhofften Erfolg im Gegenzug. Das ganze Ensemble fühlt sich irgendwie verloren. Die Künstler dann nachträglich wieder in die Strategie, den Plan zurückzugewinnen, ist fast unmöglich.

KF: Wie haben Sie versucht, Ihr Team wieder zu motivieren?

PK: Ich versuchte den Prozess, die Geschichte wieder aufzubauen. Daran zu erinnern, wohin unsere Reise führen sollte und wie wir es ins Ziel geschafft haben. Die Oper „Daphne“ wird nicht oft aufgeführt und ist extrem schwer zu singen. Sie ist eines der gesanglich am meisten herausfordernden Werke von Strauss.
Meine Mission war eine Neu-Inszenierung, die es erlaubt, von der ersten Note an in eine Zauberwelt einzutauchen, so, wie Strauss sich das vorgestellt hat. Wie in einem Film. Ich musste also die Künstler daran erinnern, was für eine großartige Welt wir doch geschaffen haben. Ich habe versucht, sie wieder darin eintauchen zu lassen und dabei die widersprüchlichen Emotionen – durch diesen Vorfall ausgelöst – vergessen zu machen.

KF: War es das erste Mal, dass Sie die Absage einer Premiere erlebt haben?

PK: Streiks habe ich schon oft erlebt. In Italien, in Frankreich. Aber dass meine individuelle Arbeit so behindert wurde und eine Premiere abgesagt wird, das noch nie!

KF: Sollte Ihrer Meinung nach denn überhaupt eine Beziehung zwischen Kunst und Politik bestehen? Muss ein Künstler als Person und mit seiner Arbeit auch politisch Position beziehen?

PK: Natürlich sollten Kunst und Politik in Beziehung zueinander stehen! Es ist unmöglich, in der Kunst nicht politisch zu sein. Alles was Kunst macht, insbesondere in Opern, handelt von Liebe, Leben und Tod. Das sind Dinge, die die Politik auch tangieren. Wie wir lieben, leben und sterben bestimmt letztlich die Regierung mit!

KF: Was ist mit Strauss und seiner Oper „Daphne“? Spielen da nicht auch politische Dimensionen hinein? Ab 1933 nahm Strauss ja zunächst als Präsident der Reichsmusikkammer ein öffentliches Amt im Regime der Nationalsozialisten wahr, dann fiel er in Ungnade, weil er mit Stefan Zweig zusammenarbeiten wollte, der ihm das Libretto zur Oper „Die schweigsame Frau“ geliefert hat. „Daphne“? entstand dann 1936-37.

PK: „Daphne“ ist tatsächlich eine sehr politische Oper. Strauss komponierte sie zu einer Zeit, in der er unter ziemlich komplexen Umständen mit den Nazis in Deutschland interagierte. Als Präsident der Reichsmusikkammer arbeitete er mit diesen – heute – „Personae non gratae“ täglich zusammen. Er selbst war erwiesenermaßen weder Antisemit, noch Rassist und auch nicht Teil einer Propaganda-Maschine. Er dachte, dass seine Musik, seine Kunst und sein Leben wichtiger seien und am Ende gewissermaßen das Geschehen überleben würden. Damals war auch noch nicht klar, was passieren würde. Dann wurde er als Neurotiker und Hysteriker aus seinem Amt entlassen und blieb nur unbeschadet, weil er bereits zu berühmt und angesehen war. Vor diesem Hintergrund ist „Daphne“ also aus einer politisch heiklen Situation heraus geboren.

KF: Welche politische Stellungnahme bestimmt Ihre aktuelle Inszenierung in Toulouse?

PK: Die Oper an sich und auch diese Inszenierung ist eine Darstellung gewaltiger Themen: Es geht ja auch um Gewalt, Frieden, Liebe und Tod und deren Verbindungen. Da ist zunächst ein Gott, Apollo, der Macht hat. Er ist der Gott der Weissagung, aber auch ein Todesbringer und ein Gott der Plagen. Als Sonnengott verkörpert er im gewissen Sinne auch Zerstörung – die Sonne spendet Leben. Ihre Hitze ist aber auch verheerend. Leukippos dann ist ein einfacher Junge, ein Schäfer. Daphne ist kein gewöhnliches Mädchen. Ihr Vater ist ein Flussgott, also trägt sie auch etwas Göttliches in sich. Sie steht zwischen dem Gott und dem Mann, die sie beide lieben. Ein Liebes-Dreieck! Aber Daphne will keinen von beiden. Sie ist eine Waldnymphe und im gewissen Sinne asexuell, allein mit der Natur, dem Wasser und Blumen verbunden. Mit physischer Liebe will sie nichts zu tun haben. Damit verleugnet sie natürlich auch sich selbst. Das ist eine Verweigerungshaltung – wie sie zu der Zeit, in der die Oper entstanden ist, für viele Deutsche typisch war. Dann verliert Apollo die Nerven und auch die Kontrolle. Strauss drückt damit aus, dass die eigentliche Gefahr darin liegt, sich wie ein Gott zu verhalten, wenn man weitreichende und absolute Macht für persönliche Zwecke missbraucht. Das Gespür für die eigene Verantwortung zu verlieren, den Weg der Gewalt zu wählen und schließlich einen Menschen zu töten, weil man die Macht dazu hat, das korrumpiert den Sinn für Recht und Unrecht. Das führt zum Desaster! Liebe, Frieden und Glück werden der Welt genommen. Im Kontext von 1936 ist das eine sehr prophetische und auch pazifistische Aussage. Eine Warnung!
Damit wollte ich mich in meiner Inszenierung unbedingt auseinandersetzen. Aber der politische Bezug sollte nicht erdrückend sein. Er ist da und muss erkannt werden.

KF: In der Vorphase des Zweiten Weltkriegs war für Strauss die Auseinandersetzung mit der Mythologie ja auch eine Art Weltflucht…

PK: Unbedingt! Das ist auch sehr wichtig. Daher wollte ich eine völlig glaubhafte Märchenwelt schaffen. So, wie Strauss es meinem Verständnis nach auch beabsichtigte. Die Gefühle sind real, aber die Situation ist es nicht. Ich glaube, das ist auch ein Grund, warum Strauss sich mit diesem Mythos beschäftigt hat.

KF: Der letzten Verwandlungsszene gilt ja seit je her eine besondere Aufmerksamkeit. Pünktlich zum Geburtstag von Strauss am 11. Juni wurde auch in der Dresdner Semper-Oper Daphnes Schlussgesang als Höhepunkt in einem Galakonzert gebracht. Was die Umsetzung in Bilder betrifft, müsste dies doch eine der größten Herausforderung sein, oder nicht?

PK: Ahh – die Verwandlung… Mir ist völlig bewusst, dass die Leute manchmal besessen sind von der szenischen Umsetzung. Bei Wagners Ring zum Beispiel davon, wie man Riesen darstellt, Rheintöchter, das Wasser, den Rhein auf der Bühne. Und bei Daphne ist es ihre Verwandlung in einen Baum. Das sind 25 Minuten reine Musik, die sich am Ende der Oper nur dieser Verwandlung widmen. Das baut natürlich eine Erwartungshaltung bei den Zuschauern auf. Letztlich findet man immer irgendeine Lösung.
Jedenfalls wollte ich die Oper nicht in die moderne Zeit versetzen. Das wäre nicht mehr das Märchen, das Strauss erzählen wollte. Aber ich wollte natürlich auch zeigen, dass die Verwandlung nicht das einzige ist, was in dieser Oper passiert. Ja gut, Daphne endet als Baum. Aber im Grunde ist das nur eine sehr schöne, aber auch sehr einfache Auflösung. Die Musik zur Verwandlungsszene ist atemberaubend, und man muss sich ihr angemessen widmen. Aber es ist eben nicht die ganze Geschichte! Was ich viel interessanter finde ist der Konflikt zwischen den Protagonisten, ausgelöst durch Leukippos’ Tod. Ich wollte sichergehen, dass ich mich ausreichend mit dieser Krise auseinandersetze. Diese Schwerpunktsetzung habe ich dann natürlich auch bewusst auf die Bühne übertragen.

KF: Auch Daphnes Bewusstwerdung ihrer Rolle in diesem Konflikt scheint für Sie wichtig zu sein...

PK: Ja genau. Was sie für sich entdeckt, ist die mögliche Tiefe von Emotionen! Und diese Spur legt auch die Musik. Bis zu dem Moment, in dem Leukippos stirbt, hat Daphne wunderschöne aber eher oberflächliche Musik. Sein Tod zwingt sie zu erkennen, dass sie erwachsen ist und auch Verantwortung hat. Sie muss ihn gebührend betrauern. Sie wird mit dem Faktum konfrontiert, dass ihre Passivität und das Nicht-Handeln vorwerfbar sein können. Was ebenfalls eine bedeutsame politische Implikation im Kontext von 1936 ist.
Das Gespräch führte Lina Marie-Dück

François-Xavier Roth heißt der neue Kölner Generalmusikdirektor!

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Gestern hat er im historischen Rathaus unterschrieben, im Beisein vom Kölner Oberbürgermeister und der Beigeordneten für Kultur. Der Sohn des Organisten Daniel Roth an der Pariser Saint Sulpice, studierter Querflötist und hat seine Dirigentenkarriere als Assistent von John Eliot Gardiner begonnen. Seit 2011 ist er Chef beim SWR Sinfonieorchester Baden-Baden/ Freiburg und das noch bis 2016. Ab dem 1. September 2015 steht er auch am ersten Pult beim Kölner Gürzenichorchester. Außerdem wird er musikalischer Chef der Kölner Oper. François-Xavier Roth ist sowohl in der historischen Aufführungspraxis zuhause – mit dem von ihm selbst gegründeten Projektorchester Les Siècles, als auch in der Neuen Musik.
In Köln ist er auf dem Kölner Achtbrückenfestival für Neue Musik und Musik der Moderne ein alter Bekannter. Seit der ersten Ausgabe ist er mit dem SWR Sinfonieorchester Baden-Baden/ Freiburg dabei gewesen und hat in der diesjährigen Ausgabe das Abschlusskonzert am 11. Mai gestaltet. Das Konzert wird heute Abend ab 20.05 Uhr auf WDR3 ausgestrahlt und ist noch weitere 30 Tage im WDR3 Konzertplayer im Netz zuhören. In der Sendung kommt auch François-Xavier Roth ausgiebigst zu Wort!

Elisabeth Leonskaja erhält den International Classical Music Award für ihre CD „Paris“!

Leonskaja[2]
Elisabeth Leonskajas erhält den International Classical Music Award für ihre CD „Paris“!

Sabine Weber

Das Wort Karriere vermeidet die Pianistin, die zu den allergrößten ihrer Zunft gehört. Stattdessen spricht die Starpianistin Elisabeth Leonskaja lieber davon, dass sie sich wie eine hungrige Studentin fühle. Dass sie über eine immense Repertoireerfahrung verfügt, beweist das exquisit zusammengestellte Programm ihrer jüngsten CD. Mit der Kombination von Maurice Ravels Valses nobles et sentimentales und Georges Enescus großartiger und in Konzerten nie zu hörenden ersten Klaviersonate (fis-moll) weist sie nebenbei auf die Geistesverwandtschaft des bekannten mit dem weitgehend vergessenen rumänischen Komponisten hin, die im Ausdruck dann doch so gänzlich verschiedene Klaviermusik produziert haben. Ergänzt von Claude Debussys Préludes (Auswahl) und dessen charmant melancholischen Walzer La Plus que lente. Die beim Label eaSonus im letzten Oktober herausgekommene CD ist am 20. Januar bei den International Classical Music Awards (ICMA) 2014 in der Kategorie ‚Solo Instrument’ ausgezeichnet worden. Auf diesem Erfolg, auf keinem Erfolg ruht sich die Grande Dame jedoch aus, wie sie in einem Interview anlässlich ihres Soloauftritts mit dem WDR Sinfonieorchester Köln beim Kissinger Sommer verraten hat. Für sie gehört die Auseinandersetzung mit Musik zu einem glücklichen Leben notwendig dazu! Und natürlich der Flügel.